
Forest Bathing: Warum Waldtherapie messbar heilt
Shinrin-yoku – Waldbaden – ist in Japan seit den 80er-Jahren offizielle Gesundheitsempfehlung. Studien belegen: Schon 20 Minuten im Wald senken den Cortisol-Spiegel um bis zu 13% und stärken das Immunsystem messbar.
„Forest Bathing“ (Waldbaden) oder „Forest Therapy“ (Waldtherapie) klingt zunächst nach einem neuen Wellness-Trend.
Tatsächlich ist daraus in verschiedenen Ländern längst ein medizinischer Begriff geworden, über den zahlreiche wissenschaftliche Studien veröffentlicht wurden.
Interessant, wie der Mensch sich manchmal von einer natürlichen, von Gott geschaffenen Selbstverständlichkeit entfernt – und dann mit viel Forschung und komplizierten Begriffen den Weg dorthin wieder neu entdeckt.
Die Entdeckung des Waldes
Bereits Anfang der 1980er-Jahre begann man in Japan intensiv zu erforschen, weshalb Menschen nach einem Aufenthalt im Wald gesünder, ruhiger und glücklicher waren.
Damals suchte man nach Antworten auf die zunehmende Zahl von Burnout, Depressionen und Suiziden, die mit dem enormen Arbeitsdruck der modernen Gesellschaft in Verbindung gebracht wurden.
Die Lösung, welche schliesslich sogar von der japanischen Regierung offiziell empfohlen wurde, hiess Shinrin-Yoku – Waldbaden.
Und nein – dabei geht es nicht darum, in einem Waldsee zu baden.
Gemeint ist das bewusste Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes.
Langsam gehen.
Tief atmen.
Die Natur wahrnehmen.
Still werden.
Einfach da sein.
Die Ergebnisse waren beeindruckend.
Schon kurze Aufenthalte im Wald führten zu einer messbaren Senkung des Stresshormons Cortisol, zu einer Verbesserung der Stimmung, einer Aktivierung des Immunsystems und einem deutlich gesteigerten Wohlbefinden.
Was die Forschung heute zeigt
Seither wurde auch im Westen intensiv geforscht.
Die Resultate sind erstaunlich.
Studien zeigen unter anderem:
- Senkung des Cortisolspiegels – teilweise bereits nach 20 Minuten Waldaufenthalt.
- Blutdruck und Puls sinken messbar.
- Die Herzfrequenzvariabilität verbessert sich – ein Zeichen für ein entspanntes Nervensystem.
- Das parasympathische Nervensystem (Regeneration) wird aktiviert.
- Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) des Immunsystems nehmen deutlich zu und bleiben teilweise noch mehrere Tage erhöht.
- Entzündungsmarker können sinken.
- Konzentration, Kreativität und Gedächtnis verbessern sich.
- Symptome von Burnout, Depressionen und Angststörungen gehen zurück.
- Schlafqualität und allgemeines Wohlbefinden steigen.
Besonders spannend finde ich eine Beobachtung aus Krankenhäusern:
Patienten, die aus ihrem Zimmerfenster auf Bäume oder Grünflächen blickten, erholten sich schneller, benötigten weniger Schmerzmittel und klagten deutlich seltener als Patienten mit Blick auf Betonwände oder andere Gebäude.
Allein der Blick ins Grüne scheint unserem Körper gutzutun.
Warum wirkt der Wald überhaupt?
Natürlich spielt die Ruhe eine Rolle.
Auch die Farbe Grün wirkt nachweislich beruhigend auf unser Nervensystem.
Aber das erklärt längst nicht alles.
Der Wald schenkt uns gleichzeitig eine ganze Kombination gesundheitsfördernder Einflüsse.
Wir bewegen uns.
Wir atmen tiefer.
Wir tanken Tageslicht.
Wir entfernen uns von Lärm und künstlichen Reizen.
Wir kommen innerlich zur Ruhe.
Und wir verbinden uns wieder mit jener Umgebung, in der der Mensch den grössten Teil seiner Geschichte gelebt hat.
Vielleicht braucht unser Körper genau diese Verbindung viel mehr, als wir heute noch ahnen.
Die unsichtbaren Heilstoffe der Bäume
Ein besonders spannender Aspekt ist die Waldluft selbst.
Bäume geben ständig flüchtige Pflanzenstoffe an die Umgebung ab.
Diese sogenannten Terpene oder Phytonzide schützen die Pflanzen vor Pilzen, Bakterien und Schädlingen.
Was ursprünglich der Pflanze dient, scheint gleichzeitig auch unserem Körper ausserordentlich gutzutun.
Beim Einatmen gelangen diese Duftstoffe über die Lunge direkt in unseren Organismus.
Dort konnten unter anderem folgende Wirkungen beobachtet werden:
- Aktivierung des Immunsystems
- Entzündungshemmung
- antioxidative Wirkung
- Beruhigung des Nervensystems
- bessere Stimmung
- Förderung der Regeneration
Besonders Kiefern-, Tannen-, Fichten- und Zedernwälder sind reich an solchen Terpenen.
Vielleicht hast Du den Duft eines Pinienwaldes schon einmal bewusst eingeatmet.
Man fühlt sich danach oft wie neu geboren.
Die Sprache der Bäume
Terpene gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen.
Früher hielt man sie für weitgehend bedeutungslos.
Heute weiss man, dass sie eine erstaunlich wichtige Rolle spielen.
Sie schützen Pflanzen vor Krankheiten.
Sie locken Bestäuber an.
Sie warnen benachbarte Pflanzen vor Schädlingsbefall.
Es scheint sogar, dass Wälder über diese Duftstoffe miteinander kommunizieren.
Besonders faszinierend finde ich, dass das Monoterpen Alpha-Pinen, welches unter anderem von Kiefern abgegeben wird, sogar an der Bildung von Regenwolken beteiligt sein kann.
Je mehr wir über Wälder lernen, desto mehr staunen wir darüber, wie genial dieses Ökosystem geschaffen wurde.
Haben wir einen Terpen-Mangel?
Diesen Begriff gibt es offiziell zwar noch nicht.
Aber der Gedanke ist durchaus spannend.
Viele Menschen verbringen heute über 90 % ihrer Zeit in Gebäuden, klimatisierten Büros oder Städten.
Sie kommen kaum noch mit natürlichen Pflanzenstoffen in Berührung.
Unser Organismus hat sich jedoch über Jahrtausende in genau dieser Umgebung entwickelt.
Vielleicht fehlen unserem Körper heute nicht nur Vitamine und Mineralstoffe.
Vielleicht fehlt ihm schlicht auch die regelmässige Begegnung mit Waldluft.
Ich finde diesen Gedanken durchaus bedenkenswert.
Es gibt noch mehr
Neben den Terpenen enthält Waldluft meist deutlich mehr negative Luftionen als Innenräume oder Stadtluft. Diese entstehen unter anderem durch Bäume, fliessendes Wasser und natürliche Luftbewegungen. Manche Studien bringen sie mit einer verbesserten Stimmung, höherer Konzentration und einer besseren Sauerstoffaufnahme in Verbindung.
Hinzu kommt, dass wir im Wald oft barfuss über Erde, Moos oder Waldboden laufen. Dabei kommen wir direkt mit der Erdoberfläche in Kontakt. Wie stark dieses sogenannte Earthing oder Grounding gesundheitlich wirkt, wird noch erforscht. Einige Untersuchungen zeigen jedoch, dass es Entzündungen reduzieren, den Schlaf verbessern und das Nervensystem beruhigen kann.
Vieles spricht dafür, dass unser Körper von dieser natürlichen Umgebung in erstaunlicher Weise profitiert.
Mein Tipp
Mach wieder einmal einen ausgedehnten Waldspaziergang.
Lass das Handy in der Tasche (oder noch besser gleich zuhause).
Atme bewusst tief ein.
Riech an einer Kiefer oder einer Tanne.
Setz Dich für ein paar Minuten auf einen Baumstamm.
Hör den Vögeln zu.
Schau ins Blätterdach.
Und wenn gerade niemand zuschaut ...
... dann umarme ruhig einmal einen Baum.
Ja, ich weiss – das klingt etwas verrückt.
Aber erstaunlicherweise zeigen sogar Studien, dass Berührung und der Aufenthalt in der Natur Stress reduzieren und das Wohlbefinden steigern.
Vielleicht wussten unsere Vorfahren einfach Dinge, die wir erst wieder neu entdecken müssen.
Und im Winter?
Im Winter geben viele Bäume weniger Terpene an die Luft ab als während der warmen Jahreszeit.
Trotzdem lohnt sich jeder Waldspaziergang.
Vielleicht ist das übrigens auch einer der Gründe, weshalb man früher Tannenzweige ins Haus holte oder einen Weihnachtsbaum aufstellte.
Allein ihr Duft verändert die Atmosphäre eines Raumes.
Wer einmal durch die Pinienwälder auf Teneriffa oder an der Mittelmeerküste spaziert ist, weiss, was ich meine.
Die Luft dort ist schlicht einzigartig.
Ein Stück Wald für zuhause
Natürlich ersetzt nichts einen echten Wald.
Doch nicht jeder hat einen direkt vor der Haustür.
Hier können hochwertige ätherische Öle eine schöne Ergänzung sein.
Sie bestehen grösstenteils aus genau jenen Terpenen, welche auch im Wald vorkommen.
Über einen Diffuser lassen sich Wohn- oder Arbeitsräume mit diesen natürlichen Duftstoffen bereichern.
Das ersetzt zwar keinen Waldspaziergang.
Aber es bringt zumindest ein kleines Stück Wald ins Haus.
Ich persönlich habe den Wald schon immer geliebt.
Dafür brauche ich eigentlich keine Studien.
Trotzdem finde ich es faszinierend, dass die Wissenschaft heute immer mehr bestätigt, was viele Menschen intuitiv längst wussten:
Die Natur heilt.
Deshalb verbringe ich viel Zeit in der Natur und meine Ölmischung „Forest Breeze“ gehört zu meinen absoluten Lieblingsölen. Ich habe verschiedene ätherische Öle von Kiefern, Tannen, Zypressen, Zedern und Wacholder zu einem Duft kombiniert, der mich jedes Mal an einen Spaziergang durch einen frischen Nadelwald erinnert.
Eine Wohltat für Körper, Geist und Seele.